3.-4. Mai 2019, IGNM-Kongress
Die jährliche Veranstaltung der IGNM Basel (Internationale Gesellscahft für Neue Musik) fand 2019 unter dem Titel »Festival Mikrotöne Basel« statt. 3.-4. Mai 2019, im h95-Eventspace Basel.
Programmtext (Caspar Johannes Walter)
Gerade in einer Zeit schneller und starker Reize spielt die Kunst eine Schlüsselrolle in der Konzentration und Sensibilisierung auf das ästhetische Erlebnis. In der Neuen Musik bietet das Gebiet der Mikrotonalität ein Feld für solche Erfahrungen und Emotionen. Jenseits der gewohnten Intervalle scheinen neue, konstruktive Bedeutungen auf.
In einem zweitägigen Festival in den Veranstaltungsräumen des h95 wird diese Grenze des Hörens im Mittelpunkt stehen. Jeweils nachmittags wird eine offenere Veranstaltung stattfinden; Die Festivalteilnehmer haben die Möglichkeit, mit mikrotonalen Instrumenten zu experimentieren und die Ergebnisse anschliessen zu präsentieren. Dazu gibt es Fachvorträge und Workshops, auch mit kleineren Konzertbeiträgen.
Im Zentrum der Abendkonzerte steht das Instrument Arciorgano, ein Nachbau einer historischen Orgel mit 36 Tasten pro Oktave, das sowohl in historischen als auch zeitgenössischen Stimmungen für zahlreiche Uraufführungen Verwendung findet. Ein Festivalensemble von Spezialisten im Bereich mikrotonaler Musik wird dem Arciorgano zur Seite und gegenübergestellt. Neben Klassikern der mikrotonalen Musik wie Harry Partch und Ivan Wyschnegradsky und einem wahrscheinlich noch niemals aufgeführten Fragment eines achteltönigen Werkes für dreisaitiges Cello von Julian Carrillo aus dem Jahr 1929 sind vor allem Werke aus der jüngeren und jüngsten Komponistengeneration zu hören.
Das Festival zeigt nicht nur die aktuellen Tendenzen der mikrotonalen Musik, sondern möchte auch Wege aufzeigen, wie sich dieses fruchtbare Feld in der Zukunft entwickeln könnte. Deshalb speist sich ein grosser Teil des Programms aus den Einreichungen einer Ausschreibung über Konzepte, Ideen, Forschungen und Musik im Bereich Mikrotonalität. Diese Ausschreibung hat international Resonanz gefunden; Gäste aus vielen Ländern präsentieren ihre Forschungen und Entwicklungen und eigens für das Festival komponierte Musik.
Konzertprogramm I, 3. Mai 2019, 20:00
- Eleni Ralli, »Vertical Mirror 2« (UA) für Arciorgano, Harfe, Posaune, elektrische Gitarre und vier Klangwürfel
- Ivo Ubezio, »Neues Werk« (UA) für 1/16ton-Klavier
- Ralph Bernardy, »Das untemperierte Clavier #2« (UA) für Clavemusicum Omnitonum
- Luiz Castelões, »Asa Basel« (UA) für Posaune, Harfe, Geige und Cello
- Pablo Quass »io« (UA) für Arciorgan ound Elemente davor
- Harry Partch, »Seventeen Lyrics of Li Po« (Auswahl) für adapted viola und intoned voice, Partitur aufbereitet und renotiert von Ivan Gonzalez Escuder
- Felipe Pinto d'Aguiar, »A Horcajadas en la Luz« (UA) für Arciorgano, E-Akkordeon, Geige, Cello und Posaune
Konzertprogramm II, 4. Mai 2019, 20:00
- Sebastian Meyer, »immanent« (UA) für vierhändig gespieltes Arciorgano
- Fabien Lévy, »Les deux Ampoules d'un sablier peu à peu se comprennent« für Harfe
- Julian Carrillo, »Tercera Sonata para Violonchelo de 3 cuerdas« (1929, UA)
- Ivan Wyschnegradsky, »Étude tricesimoprimal« op. 42, Eingerichtet für Arciorgano
- Adrian Nagel, »Zone« für Vierteltonakkordeon und Arciorgano
- Elnaz Seyedi, »Monolog« für Posaune und Arciorgano
- Burkhard Kinzler, »7 Mikroludien« (UA) für Arciorgano
- Szymon Streleczs, »Erased Lines Cartography« (UA) für Posaune, Akkordeon, präparierte Geige, präpariertes Cello und audio playback
Besetzung
- Johannes Keller, Ana-Maria Fonseca und Ralph Bernardy, Arciorgano und Clavemusicum Omnitonum
- Mathieu Brechet, 1/16ton-Klavier
- Dawid Rydz, E-Akkordeon
- Alice Belugou, Harfe
- David Eggert und Matthieu Gutbub, Cello
- Stephen Menotti und Francisco Olmedo, Posaune
- Zoé Pouri, Geige
- Chris Moy, E-Gitarre
- Shervin Saremi, Elektronik