Studio31

12. September 2020: Tastenfestival Zürich

Rezital auf dem Clavemusicum Omnitonum und Cimbalo Cromatico von Johannes Keller beim Tastenfestival Zürich, am 12. September 2020.

Programm »Warum nur 12?«

Programmtext (Johannes Keller)

Einblicke in die Klangwelt der Musik, die mehr als 12 Töne pro Oktave benutzt.

Wozu mehr als 12 Töne pro Oktave? Vor dem Hintergrund des 16. und 17. Jahrhunderts ist es naheliegender die Frage umzudrehen: Warum nur 12? Dem Wunsch mit »natürlichen Intervallen« zu arbeiten begegnet man ab dem 16. Jahrhundert auf Schritt und Tritt. Eine direkte Folge davon ist die Existenz von zwei sehr unterschiedlich grossen Halbtönen. Für Tasteninstrumente bedeutet dies: jede schwarze Tasten kann nur genau eine »Alteration« zur Verfügung stellen, entweder ein Kreuz oder ein b, nicht beides gleichzeitig. Man kann wunderbar mit nur fünf Alterationen arbeiten, es entstanden die berückendsten Kompositionen mit dieser Einschränkung. Welche Möglichkeiten tun sich jedoch auf, wenn man annimmt, dass man alle Halbtöne überall zur Verfügung hat? Die Konsequenzen reichen weit und vereinen ganz unterschiedliche künstlerische, ästhetische, aufführungspraktische, instrumentenbauliche und spieltechnische Strömungen. Dieses Programm zeigt verschiedene Möglichkeiten mit einer Klaviatur mit 31 Tasten pro Oktave umzugehen. Die Musik öffnet die Ohren, überrascht und provoziert, da sie es nicht zulässt, in gewohnten Bahnen zu hören und auf gesicherten Pfaden zu denken. Es lässt eine schillernde Vielfalt und eine Experimentierlust durch die fahlen Vorhänge der Musikgeschichtsschreibung hindurchschimmern. Ob diese seltsame Musik heute Gefallen findet oder nicht -- sie kann durch ihre schiere Existenz inspirieren und aufrütteln.

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